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Zwei Säulen-System aus Oberschulen und Gymnasien etabliert
Bogedan: "Auf diesem Fundament das System und die Ressourcenverteilung weiterentwickeln"

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Vorstellung der Ergebnisse im Bremer Rathaus

  

05.03.2018 - Eine nationale Expertenkommission hat heute die Ergebnisse der Evaluation des bremischen Schulsystems vorgelegt. Bürgermeister Dr. Carsten Sieling, Bürgermeisterin Karoline Linnert und Dr. Claudia Bogedan, Senatorin für Kinder und Bildung, sowie Partei- und Fraktionsvorsitzende aller in der Bürgerschaft vertretenen Parteien nahmen die Empfehlungen der hochrangig besetzten Wissenschaftlergruppe entgegen. Im Kern raten die Bildungsexperten dazu, die im Land Bremen etablierte Struktur aus Oberschule und Gymnasium nicht zu verändern. Sie sehen im Bremer Modell einen zukunftsfähigen und modernisierungsoffenen Rahmen. Senatorin Bogedan freut sich über diese zentrale Botschaft der Experten: "Es ist wichtig für unsere Schulen, dass sie stabile Rahmenbedingungen für ihre Arbeit haben. Jede Veränderung an der Struktur wäre kontraproduktiv. Die Wissenschaftler bescheinigen uns, dass wir mit unseren beiden Schularten Oberschule und Gymnasium ein richtiges Fundament haben. Auf dieser guten und akzeptierten Basis können und müssen wir unser System weiter entwickeln."

Die Experten machen deutlich, dass sich die Leistungsergebnisse der Bremer Schülerinnen und Schüler seit der Umstellung auf die neue Struktur nicht verschlechtert haben – dies sei angesichts der großen Herausforderungen wie der steigenden Zuwanderung und der Zunahme der Förderkinder nicht selbstverständlich. Gleichwohl gebe es noch viele Baustellen für die Weiterentwicklung der schulischen und unterrichtlichen Arbeit. Und dafür geben die Experten konkrete Hinweise. So sehen sie es als unbedingt notwendig an, dass die Schul- und Unterrichtsentwicklung künftig systematisch auf der Basis von Daten erfolgen müsse. Gegenwärtig würden Informationen beispielsweise über die Leistungsstände von Schülerinnen und Schülern nicht systematisch genutzt. Die Schulen hätten keine richtigen Informationen darüber, welche Maßnahmen den Schülerinnen und Schülern nützten und welche nicht. Auch der Blick von außen in eine Schule sei hilfreich, um Impulse zur Entwicklung zu bekommen. Bogedan sieht sich deshalb in ihrem bereits eingeschlagenen Weg bestätigt: "Nach den jüngsten Bildungstrend-Ergebnissen im Herbst 2017 haben wir sofort damit begonnen, für die Schulen ein neues Unterstützungsinstrument zu entwickeln. Unser neues Institut für Qualitätsentwicklung soll den Schulen verlässliche Daten liefern, damit sie ihren Unterricht noch besser entwickeln können. Und das Landesinstitut für Schule wird sie mit entsprechenden Fortbildungsmaßnahmen optimal unterstützen."

Der Evaluationsbericht verweist auch darauf, dass die Ressourcenausstattung der einzelnen Schulen überprüft werden müsse: Schwierigere soziale Lagen und herausfordernde Situationen müssen besonders berücksichtigt werden. Im Grundsatz geschehe dies zwar schon bei der gegenwärtigen Zuweisung von Ressourcen, aber gerade für die Umsetzung der Inklusion sei die vorhandene Ausstattung der Schulen und auch die Steuerung des Inklusionsprozesses zu verbessern. Weil sich die Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den vergangenen Jahren so stark erhöht habe, müsse auch die Anzahl der Sonderpädagogik-Lehrkräfte ansteigen sowie der Betreuungsschlüssel verbessert werden. Für die Begleitung der Schulen in ihrem inklusiven Entwicklungsprozess bedürfe es zudem entsprechender Ressourcen im Bildungsressort.
"Mit den Maßnahmen, die wir derzeit umsetzen, stärken wir unsere Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentren durch zusätzliche Stellen und wir entlasten die Schulen im Bereich der Diagnostik. Aber ich weiß auch: Unsere Schulen brauchen mehr ausgebildetes Fachpersonal, und sie brauchen eine unterstützende Begleitung. Die Förderquote liegt an vielen Schulen bei über zehn Prozent. Das ist mit dem vorhandenen Personal nicht zu schaffen", sagt Bogedan.

Die Experten haben in ihrem Bericht auch für andere Bereiche des Schulsystems Empfehlungen formuliert. Sie beziehen sich auf die Stärkung von schlechter angewählten Oberschulen, auf die notwendige Weiterentwicklung der frühen Sprachförderung und auf den systematischen weiteren Ausbau von Ganztagsangeboten auch im Bereich der weiterführenden Schulen. Als besonders wichtig erachten sie, den Anteil von Schülerinnen und Schülern zu reduzieren, die die notwendigen fachlichen Mindeststandards nicht erreichen. Gerade Schülerinnen und Schüler aus sozial schwachen und zugewanderten Familien gelten für die Expertengruppe als besonders gefährdet. Dies bestätigt auch Senatorin Bogedan: "Die Leistungsvergleiche zeigen uns, dass in Bremen zu viele Schülerinnen und Schüler noch nicht einmal die Mindeststandards in den Fächern erreichen. Das kann und darf nicht sein. Wir haben deshalb ein Maßnahmenpaket aufgelegt, mit der die Schulen in besonders herausfordernden Situationen mehr Zeit für die Vorbereitung ihres Unterrichts bekommen, ihren Schülerinnen und Schülern mehr Matheunterricht geben können und besondere Förderkinder noch mehr Unterstützung durch Sonder- und Sozialpädagogen erhalten. Damit setzen wir genau da an, wo es den größten Handlungsbedarf gibt."

Die Expertengruppe war von allen Fraktionen in der Bremischen Bürgerschaft vertretenen Parteien beauftragt worden, vor dem Auslaufen des Bremer Schulkonsenses die Situation im Bildungsbereich zu analysieren und Empfehlungen auszusprechen. Der Schulkonsens wurde im Dezember 2008 für die Dauer von zehn Jahren von den damals amtierenden Landesvorsitzenden der SPD, der CDU und dem Bündnis 90/Die Grünen geschlossen. Innerhalb dieser zehn Jahre sollte die Schulstrukturentwicklung unberührt bleiben, mit dem Ziel die Leistungsfähigkeit des bremischen Schulsystems so zu verbessern, dass Bremen national und international den Anschluss findet sowie die soziale Kopplung zwischen Elternhaus und Schulerfolg weiter reduzieren.

Seit 2009 hat sich mit der Novellierung des Bremer Schulgesetzes die Schulstruktur im Land zugunsten einer klaren Zweisäuligkeit verändert: Es gibt im allgemeinbildenden Bereich heute nur noch Oberschulen und Gymnasien. In diesen beiden Schularten wird allen Bremer Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben, bis einschließlich des Abiturs den höchstmöglichen Bildungsabschluss zu erreichen. Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Schularten besteht darin, dass in den Oberschulen in der Regel innerhalb von neun Jahren auf unterschiedlichen Anforderungsniveaus die Sekundarstufe I durchlaufen wird, während dies in den Gymnasien in der Regel innerhalb von acht Jahren auf einem einheitlichen Anforderungsniveau geschieht. Aktuell besuchen ca. 71 Prozent aller Bremer Schülerinnen und Schüler die Oberschule, 29 Prozent besuchen das Gymnasium.

Der Senat hatte in seiner Sitzung am 5. Juli 2016 die Einsetzung einer Expertengruppe zur Durchführung der Evaluation beschlossen. Als Mitglieder der Expertengruppe wurden benannt:

- Prof. Kai Maaz (Leitung), Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, (DIPF)
- Prof. Marcus Hasselhorn, DIPF
- Prof. Sebastian Idel, Universität Bremen
- Prof. Eckard Klieme, DIPF
- Prof. Birgit Lütje-Klose, Universität Bielefeld
- Prof. Petra Stanat, Direktorin des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB)

Die wissenschaftliche Expertengruppe hat in regelmäßigen Abständen einer Begleitgruppe Bericht erstattet, in der der Magistrat Bremerhaven, die bildungspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Fraktionen in der Bremischen Bürgerschaft, die Eltern- und Schülervertretungen aus Bremen und Bremerhaven, die Personalräte Bremen und Bremerhaven, der Landesbehindertenbeauftragte sowie die Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau vertreten sind. Darüber hinaus ist die Fachöffentlichkeit, das heißt die Schulleitungen im Land Bremen sowie die Gewerkschaftsvertretungen und die Schulleitungsvereinigung, in einer separaten Veranstaltungen über den Zwischenstand der Evaluation informiert worden.

Zusammenfassung des Berichts (pdf, 325.6 KB)
Vollständiger Bericht (pdf, 3.9 MB)