Mimi, Draco und Konstantin helfen Bremer Grundschulkindern, leichter ins Sprechen zu kommen. Die drei Handpuppen gehören zu MITsprache, einem neuen Landessprachförderprogramm, das nach den Herbstferien an allen 25 Startchancen-Grundschulen in Bremen beginnt. MITsprache schaut genau hin, was jedes Kind schon kann und wo es Unterstützung braucht.
Der Kinder- und Bildungssenator Mark Rackles hebt hervor: „Gute Bildung beginnt damit, dass Kinder gut sprechen, verstehen und lesen können. Genau da setzen wir an: MITsprache hilft Kindern, ihren Wortschatz zu erweitern und Schritt für Schritt sicherer zu sprechen. Das Leseband gibt ihnen die Übungszeit, die sie brauchen, um gut lesen zu lernen. Beides gehört zusammen – und bildet die Grundlage für unser Landesprogramm Deutsch.“
MITsprache setzt am Übergang von der Kita zur Grundschule an und verbindet Diagnostik und gezielte Förderung. Das Landesprogramm leistet damit einen Beitrag zum Ziel des Startchancen-Programms und der im Februar 2026 gestarteten Offensive für mehr Bildungsqualität des Senators für Kinder und Bildung, die Basiskompetenzen zu stärken.
„In Bremerhaven arbeitet bereits rund ein Drittel aller Grundschulen mit dem Programm ,MITsprache‘ und wir haben inhaltlich sehr gute Erfahrungen mit dem Programm gemacht“, betont Bremerhavens Schuldezernent Prof. Dr. Hauke Hilz. „Folglich halte ich die Implementierung von MITsprache ins Startchancenprogramm für den richtigen Ansatz, um die Basiskompetenzen zu stärken“, ergänzt Hilz.
Wie funktioniert MITsprache?
In Kleingruppen mit höchstens sieben Kindern erhalten die Schülerinnen und Schüler dabei fünf Stunden Förderung pro Woche.
Die Handpuppen Mimi, Draco und Konstantin – eine Katze und zwei Drachen – begleiten die Kinder durch den Unterricht. Sie sprechen mit den Figuren und nicht über sie. Über die Figuren können sie sich spielerisch ausdrücken, erzählen und neue Wörter ausprobieren. Spiele und eine gemeinsame Rahmengeschichte schaffen einen vertrauten Rahmen. Kinder lernen außerdem, Gefühle zu benennen, andere besser zu verstehen und ihre Impulse zu steuern. Feste Gesprächsrituale geben dabei zusätzliche Orientierung.
Der Sprachstand der Kinder wird mit einer App in nur acht bis zwölf Minuten erfasst. Die Erhebung ist praxiserprobt, datenschutzkonform und direkt mit den passenden Fördermaterialien verbunden. Bis zu drei weitere Erhebungen im Jahr zeigen, wie sich jedes Kind entwickelt und wo es weitere Unterstützung braucht.
MITsprache (basierend auf Deutsch für den Schulstart, Universität Heidelberg) läuft zunächst an den SCP-Grundschulen.
Perspektivisch soll das Förderprogramm auch an weiteren Schulen eingesetzt werden.
Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte werden qualifiziert. Die Elternzusammenarbeit wird sozialpädagogisch begleitet, mehrsprachig und niedrigschwellig gestaltet. Geplant ist außerdem ein digitales Bildungsmonitoring mit individueller Lernverlaufsdokumentation.
Umsetzung in drei Schuljahren
Das Förderprogramm ist zunächst auf drei bis vier Pilotjahre angelegt. Im Schuljahr 2026/27 starten nach den Herbstferien die Diagnostik und ein tägliches Förderband mit vier Stunden MITsprache und einer Stunde zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen.
Im Schuljahr 2027/28 wird MITsprache mit dem Förderprogramm Leseband verzahnt: MITsprache baut Wortschatz, Grammatik und mündliche Sprachproduktion auf, während das Leseband darauf aufbauend Leseflüssigkeit und zunehmend Textverstehen trainiert.
Im Schuljahr 2028/29 steht das Textverstehen im Fokus. Das Leseband verbindet dann Leseflüssigkeit und Textverstehen.
Fachliche Begleitung und Wirkung
Die Stiftung Fairchance verantwortet das Programm fachlich und operativ. Die Prof. Otto Beisheim Stiftung und die Unternehmerstiftung für Chancengerechtigkeit gGmbH unterstützen den Aufbau. Gemeinsam mit dem IQHB wird die Wirksamkeit geprüft. Dabei geht es unter anderem um Wortschatz, Satzbau, Grammatik und die Fähigkeit der Kinder, Geschichten zu erzählen. Die Ergebnisse werden für Schulentwicklung und Bildungsmonitoring genutzt.